
Das katholische Hilfswerk Misereor fordert eine verlässliche Finanzierung der globalen Gesundheitsfürsorge. „Trotz einiger positiver Entwicklungen bleibt die Ungleichheit in der weltweiten Gesundheitsversorgung erschreckend groß“, sagte die Misereor-Gesundheitsexpertin Ellen Schmitt in Aachen. Die bisherigen Fortschritte hätten durch die Corona-Pandemie besonders in ärmeren Ländern einen Rückschlag erlitten, erklärte das Hilfswerk. Hinzu komme, dass die USA sich als global größter Geldgeber für Gesundheitsprojekte zurückziehen wolle und sie sowie Deutschland, Großbritannien und die Schweiz Kürzungen der Entwicklungshilfegelder angekündigt hätten.
„Das ist ein Horror-Szenario für Millionen Menschen - ein dramatischer Anstieg vermeidbarer und behandelbarer Krankheiten wie HIV, Tuberkulose oder Malaria ist zu erwarten“, warnte Schmitt. „Wir entfernen uns weiter davon, das Recht auf Gesundheit und ein gesundes Leben für alle zu ermöglichen.“
Misereor verwies auf die bisherige Umsetzung des UN-Nachhaltigkeitsziels „Gesundheit und Wohlergehen“. In Ländern mit hoher Armutsquote lebten etwa 90 Prozent der Bevölkerung ohne Krankenversicherung. „Täglich sterben rund 14.000 Kleinkinder, viele von ihnen an Infektionskrankheiten, die mit wenig Geld zuverlässig heilbar wären“, erklärte das Hilfswerk. Auch die Müttersterblichkeit sinke bisher nicht wie erhofft. „Weltweit sterben täglich 830 Frauen an vermeidbaren Ursachen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt“, teilte Misereor mit.
Allerdings sei seit 1990 die globale Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um 60 Prozent gesunken. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Neugeborenen sei seit 1960 weltweit von 51 auf 71 Jahre gestiegen. Gesundheitsdienste könnten Leben retten, wenn sie finanziert werden, unterstrich das Hilfswerk.