Analyse: Große Unterschiede bei Sozialtickets für Nahverkehr
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S-Bahn-Haltestelle an der Dortmunder Universität
Berlin, Düsseldorf (epd).

Mal günstig, mal teuer, oft gar nicht vorhanden: Bei Sozialtickets für den öffentlichen Nahverkehr gibt es einer Analyse zufolge in Deutschland große Unterschiede. Nur in rund der Hälfte aller Landkreise und Kommunen ist so ein Fahrschein überhaupt zu bekommen, wie die Untersuchung der Technischen Universität Hamburg für den Paritätischen Gesamtverband zeigt. Zugleich variieren sowohl die Kosten als auch die Zugangsvoraussetzungen stark. In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Sozialticket, allerdings ist es vergleichsweise teuer.

Der Bedarf an bezahlbarer Mobilität sei groß, heißt es. Doch für Sozialleistungsempfänger sei das Deutschlandticket für 58 Euro im Monat „nahezu unerschwinglich“. Die Bundesländer Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen bieten der Analyse zufolge Bürgerinnen und Bürgern mit wenig Geld ein Deutschlandticket zum Sozialtarif an. Hinzu kämen 28 Kommunen in verschiedenen anderen Bundesländern. Die Preisspanne sei dabei enorm: In Würzburg kostet das vergünstigte Deutschlandticket 15 Euro im Monat, in NRW 48 Euro und in Magdeburg liegt es mit 53 Euro nur knapp unter dem regulären Preis von 58 Euro.

Daneben gibt es „zahlreiche regionale Angebote mit unterschiedlichen Preisen, Berechtigungskriterien und Gültigkeitsbereichen“, wie es in der Untersuchung heißt. Doch häufig seien die Informationen zu diesen Tickets schwer zugänglich oder die Beantragung sei mit bürokratischen Hürden verbunden.

In 243 der 497 deutschen Landkreise und Kommunen würden zudem gar keine Sozialtarife angeboten, hieß es. In städtischen Gebieten gebe es sie vergleichsweise häufig, Menschen in ländlichen Gebieten hätten oft das Nachsehen. Unter allen Menschen, die Bürgergeld bekommen, können den Daten zufolge 48 Prozent ein vergünstigtes Deutschlandticket erhalten; 71 Prozent hätten Zugang zu mindestens einem Sozialtarif.

„Der Flickenteppich bei Sozialtickets verschärft soziale Ungleichheiten“, kritisierte die Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands, Katja Kipping. Sie forderte ein bundesweit einheitliches „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro im Monat. Zur Finanzierung sollte laut Kipping Geld genutzt werden, das derzeit in klimaschädliche Subventionen im Verkehr fließt.