Alle Pflegeanbieter auf dem "digitalen Marktplatz" versammelt
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Eine Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes misst bei einer Patientin den Blutzuckerwert.
In Münster hat die zähe Suche nach ambulanten Pflegediensten ein Ende
Münster (epd).

Die Stadt Münster hat die oft verzweifelte Suche von Angehörigen Pflegebedürftiger nach einem Platz in der ambulanten Betreuung beendet. Sie bietet seit vergangenem Oktober den digitalen „Marktplatz ambulante Pflege Münster“ an. Hier können ambulante Pflegeleistungen online abgefragt werden. Mit einem Mausklick sind derzeit 37 registrierte Anbieter kostenlos zu erreichen.

Das Projekt unter der Federführung des städtischen Sozialamtes ist gemeinsam mit dem Verein „Starke Pflege in Münster“, dem Arbeitskreis der ambulanten Pflegedienste sowie dem städtischen IT-Dienstleister citeq entstanden. „Wir haben fast 100 Prozent der Pflegedienste aus Münster auf dem Marktplatz“, sagt die verantwortliche Pflegeplanerin der Stadt, Karin Stritzke.

Der Arbeitgeberzusammenschluss „Ruhrgebietskonferenz Pflege“ sieht darin ein „Mutmachbeispiel“. Trotz der nicht selten düsteren Lage in der Pflege sei das eine vorbildliche Initiative, die zeige, „wie verschiedene Akteure kooperieren, um die Herausforderungen zu bewältigen“.

Da sieht auch Stefanie Duesmann, Leiterin der ambulanten Dienste der Diakonie in Münster, so. Die Plattform habe ihren Ursprung im Arbeitskreis der ambulanten Pflegedienste. Hier habe es immer wieder Überlegungen gegeben, „wie man Aufnahmekapazitäten der Dienste veröffentlichen könne, ohne selber eine tägliche Meldung abgeben zu müssen“, sagt sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). Aufgrund der Schnelllebigkeit in den ambulanten Diensten sei eine tägliche Meldung nicht praktikabel. So sei die Idee entstanden, über das Internet viele ambulante Dienste zeitgleich zu erreichen. Die Diakonie mache mit, „weil wir die Vorteile und die Chance in dieser Plattform erkannt haben“, erläutert Duesmann.

„Der Pflegebedürftige oder der Angehörige braucht nicht alle ambulanten Dienste telefonisch zu kontaktieren, sondern wir nehmen Kontakt zum Anfragenden auf“, sagt sie. „Wir haben deutlich weniger telefonische Anfragen, das spart Zeit und die personellen Ressourcen können anderweitig genutzt werden.“ Die Expertin betont aber auch: „Die digitale Lösung ersetzt niemals die persönliche Beratung von Hilfesuchenden.“ Sie ermögliche aber den Angehörigen eine gute erste Kontaktaufnahme.

„Ein zentraler digitaler Marktplatz für ambulante Pflege kann eine große Erleichterung sein“, heißt es auf Anfrage beim Verein „wir pflegen“, der bundesweiten Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation pflegender Angehöriger. „Wichtig ist jedoch, dass Angehörige eine verlässliche Rückmeldung zu ihrer Anfrage erhalten, damit sie gegebenenfalls rechtzeitig nach Alternativen suchen können“, sagt Sprecherin Lisa Thelen. Eine Rückmeldung, auch wenn sie negativ ausfalle, müsse sichergestellt werden.

Das Modell aus Münster sei der richtige Weg und könne als Vorbild für andere Bundesländer und Regionen dienen, unterstreicht Thelen. „Solche Ansätze sollten weiterentwickelt und flächendeckend ausgebaut werden, um langfristig eine bessere Versorgung sicherzustellen.“ Ein grundlegendes Problem lösten sie aber nicht: den Mangel an verfügbaren Pflegefachkräften.

Bruni Frobusch, Sprecherin der Stadt Münster, bescheinigt dem Suchportal ein Alleinstellungsmerkmal: „Bei der vorbereitenden Recherche haben wir kein vergleichbares Angebot gefunden.“ Der digitale Marktplatz sei insbesondere für Städte interessant, in denen viele Pflegedienste parallel unterwegs seien. „Für die Anbieter ist es interessant, dass Anfragen direkt nach Stadtteilen gefiltert werden können, und so nur die angezeigt werden, in denen bereits Routen gefahren werden.“ In kleineren Kommunen wisse man eher, welche Dienste wo ihre Leistungen anböten, das mache die Suche und den Kontakt deutlich einfacher. „Denkbar ist ein Einsatz des Marktplatzes aber auch dort“, sagt Frobusch.

Von Dirk Baas