Sozialexpertin: Bewusstsein für Zusammenhalt hat sich verschlechtert
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Helga Siemens-Weibring (Archivbild)
Düsseldorf (epd).

Die langjährige Sozialexpertin der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL), Helga Siemens-Weibring, appelliert an die Politik, die Partnerschaft mit Wohlfahrtsverbänden zu pflegen. Die Sozialwissenschaftlerin kritisierte in einem von der Diakonie RWL veröffentlichten Gespräch, das Bewusstsein für die Bedeutung des sozialen Miteinanders habe abgenommen. Dabei sei ein gelingendes soziales Miteinander essenziell für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und für die Demokratie an sich. Siemens-Weibring geht nach 13 Jahren Arbeit in der Diakonie in den Ruhestand.

Die 1958 geborene Sozialwissenschaftlerin bezeichnete es als „unerträglich“, wie in der Politik teilweise abwertend über Flüchtlinge gesprochen werde. „Wir kamen von Merkels 'Wir schaffen das' und sind schon seit Längerem bei 'Wir müssen mehr abschieben'. Das ist eine komplette Umkehr innerhalb weniger Jahre“, betonte die Sozialexpertin. Auch in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW (LAG FW NRW) habe das Zusammenspiel mit der Politik damals besser funktioniert als heute.

Siemens-Weibring, die bei der Diakonie die Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (FUVSS) mit aufgebaut und geleitet hat, erinnerte daran, dass durch die Aufarbeitung der Heimkinder-Zeit die Diakonie RWL der erste Landesverband gewesen sei, der eine eigene Fachstelle aufgelegt habe. „Das war und bleibt eine schwierige, herausfordernde Arbeit“, bilanzierte sie. Doch es sei gelungen, einen tragfähigen Kontakt zu Betroffenen sexualisierter Gewalt herzustellen.

Die Evangelische Kirche von Westfalen, die Lippische Landeskirche und das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe haben gemeinsam im August 2013 die Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (FUVSS) eingerichtet. Sie bietet Unterstützung für Leitungsverantwortliche an, die sich in ihrer Arbeit mit sexuellem Missbrauch auseinandersetzen.

Durch die im vergangenen Jahr veröffentlichte ForuM-Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Landeskirchen sei es gelungen, „dieses so bedrückende Thema aus der Schmuddelecke herauszuholen“, sagte Siemens-Weibring, die seit zwölf Jahren Mitglied der rheinischen Kirchenleitung ist. So werde nun endlich deutschlandweit das Leid der Betroffenen auch öffentlich anerkannt. Die evangelische Kirche sei manchmal in der Gefahr, moralisierend unterwegs zu sein, sagte sie. „Dieses Selbstverständnis hat einen Knacks bekommen, wenn man sich eingestehen muss: Wir sind auch nicht besser als die anderen.“