"God is a DJ": Ludwigskirche feiert 250. Jubiläum mit Tanz und Bässen
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SaarbrÜcker Ludwigskirche feiert 250. JubilÄum
Saarbrücken (epd).

Wummernde Bässe lassen die hölzernen Kirchenbänke erzittern. Bunte Laserstrahlen blitzen hinauf bis an die hohen Decken der barocken Kirche. Künstlicher Nebel waberte durch das Kirchenschiff. Am Samstagabend herrschen in der Saarbrücker Ludwigskirche Techno-Ästhetik und Festivalfeeling. Der Gottesdienst „God is a DJ. WIR sind die Musik“ ist Teil des Programms zum 250. Jubiläum des Gotteshauses und Wahrzeichens der saarländischen Landeshauptstadt. Ansonsten sind unter den 20 Veranstaltungen vor allem Gottesdienste und Konzerte mit eher klassischer Musik.

Die nach dem damaligen Fürsten Ludwig benannte Kirche wurde am 25. August 1775, dem Todestag des heiliggesprochenen französischen Königs Ludwig IX., als Haus- und Hofkirche Fürst Ludwigs von Nassau-Saarbrücken eingeweiht. Das Bauwerk schuf der damalige Baumeister Friedrich Joachim Stengel als Höhepunkt und Abschluss der Gestaltung Saarbrückens als Residenzstadt. Er konzipierte eine „weiße Stadt“ mit zwei Sichtachsen und der Ludwigskirche im Mittelpunkt. Das Gotteshaus gilt als eine der bedeutendsten evangelischen Kirchenbauten des Barock.

Noch heute ist die Kirche innen weiß. Auch Knut Kallenberg alias DJ Crazy KK ist am Samstagabend ganz in Weiß gekleidet. Bei dem Gottesdienst mixt er auf der Kanzel „electronic dance music“ (edm) - schafft eine Klangkulisse aus populären Songs, unterlegt mit wuchtigen Bässen und Synthesizer-Klängen. Der DJ, selbst Mitglied der Gemeinde St. Johann, hatte die Idee zu dem ungewöhnlichen Jubiläumsevent. „In anderen evangelischen Kirchengemeinden gibt es zwar Konzerte und Gottesdienste etwa mit Jazz- oder Gospelmusik, aber so etwas nicht“, sagt der 52-Jährige.

Pfarrer Thomas Bergholz, zu dessen Gemeinde Saarbrücken Mitte die Ludwigskirche gehört, war begeistert von der Idee. Einige Gemeindemitglieder seien „verwundert“ gewesen, Kritik oder Vorbehalte habe es aber nicht gegeben, berichtet er. Die Idee kommt an. Am Samstagabend ist die Kirche ungewöhnlich voll. Rund 300 Menschen sitzen auf den Kirchenbänken.

Der Aufforderung des Pfarrers zum Tanzen kommen im Laufe des Abends immer mehr Besucherinnen und Besucher nach. Viele tanzen in den Bankreihen oder bewegen sich im Takt der Musik. Nach Ansicht von Bergholz steht der Gottesdienst „God is a DJ. WIR sind die Musik“ ganz in der christlichen Tradition.

„Die Musik des christlichen Gottesdienstes war zu allen Zeiten Musik, die aus den Herzen der Menschen kam. Zu keiner Zeit gab es dabei eine spezielle Musik, die ausschließlich für den Gottesdienst bestimmt war“, hieß es in der Einladung. Schon im Alten Testament sei ausdrücklich davon die Rede, dass zum Lobe Gottes auch getanzt wurde. Auch Luther habe für seine Lieder die Melodien populärer weltlicher Volkslieder genutzt. Moderne elektronische Tanzmusik drücke die Freude am Leben und an der Schönheit von Gottes Schöpfung aus und wolle dies im Tanz erlebbar machen.

Für Pfarrer Bergholz ist es wichtig zu zeigen: „Kirche muss nicht so sein, wie Du das von Deinen Großeltern kennst“. Kirche könne „für Menschen allen Alters offen sein“.

Von Jörg Fischer (epd)