Nach dem Ende des 2016 gestarteten Qualifizierungsprojekts „Refugee Teachers Program“ hofft die Universität Potsdam auf ein neues Programm für Lehrkräfte aus dem Ausland. Ein differenziertes Konzept dafür liege vor, sagte die Gründerin des „Refugee Teachers Program“, Miriam Vock, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Potsdam. Ob es umgesetzt werden könne, sei noch offen.
Das alte Programm habe „auf eine wichtige Leerstelle im deutschen Bildungssystem aufmerksam gemacht“, sagte Vock. Davor sei es für Flüchtlinge sehr schwer gewesen, „den Wiedereinstieg in den Lehrerberuf zu schaffen, weil es keine gut zugänglichen und verständlichen Informationen und keine passenden Qualifizierungsangebote gab“.
„Das Programm war erfolgreich, weil es ein Modell entwickelt und erprobt hat, wie im Ausland ausgebildete und nach Deutschland zugewanderte Lehrkräfte erfolgreich so weiterqualifiziert werden können, dass sie wieder in ihrem Beruf arbeiten können“, sagte die Bildungsexpertin und Professorin. Das neue Konzept adressiere nun eine breitere Gruppe als das bisherige Qualifizierungsprogramm und ermögliche unterschiedliche Ausbildungsziele.
Angestrebt werde, neben Lehrkräften für weiterführende Schulen auch Grundschullehrkräfte zu qualifizieren, sagte Vock. Das Programm solle sich zudem an alle im Ausland ausgebildeten und nach Deutschland zugewanderten Lehrkräfte richten, nicht nur an Geflüchtete.
„Internationale Lehrkräfte sind eine heterogene Gruppe“, sagte Vock: „Ein Teil strebt die volle Anerkennung als Lehrkraft in Deutschland an und ist bereit, dafür ein sehr anspruchsvolles und umfangreiches Studienprogramm zu durchlaufen.“ Andere interessierten sich eher für eine pädagogische Tätigkeit, zum Beispiel in Willkommensklassen. Dies könne der Fall sein, wenn Lehrkräfte aus dem Ausland bereits älter sind oder eine Familie zu versorgen haben und daher eine kürzere Qualifizierung und einen schnelleren Berufseinstieg benötigen.
Die Lehrkräfte bräuchten neben einer sehr guten Sprachausbildung und viel Schulpraxisbezug auch ein fundiertes Wissen über das Bildungssystem in Deutschland, sagte Vock. Ihre Qualifizierung müsse stärker berufsbegleitend ausgerichtet sein und eine gute Mischung von Online- und Präsenzformaten beinhalten.
Für das beendete „Refugee Teachers Program“ hätten sich insgesamt rund 1.200 Lehrkräfte beworben, 133 hätten es erfolgreich abgeschlossen, sagte Vock. Zum Start 2016 habe es im europäischen Raum so gut wie keine vergleichbaren Programme gegeben.