In der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens werden immer mehr Fälle von sexualisierter Gewalt bekannt. Die Zahl der Betroffenen sei innerhalb eines Jahres von 101 auf mindestens 135 Menschen gestiegen, teilte die sächsische Landeskirche am Mittwoch in Dresden mit. Für den Zeitraum 1946 bis April 2025 sind demnach 76 Beschuldigte erfasst worden. Im April 2024 waren es noch 56 Beschuldigte.
Zuerst hatte die in Leipzig erscheinende kirchliche Wochenzeitung „Der Sonntag“ (Ausgabe vom 4. April) darüber berichtet. Demnach hat die unabhängige Anerkennungskommission in Sachsen bisher Anerkennungsleistungen in Höhe von insgesamt rund 678.000 Euro an 58 Betroffene gezahlt.
Mitte März hatten bundesweit die Kommissionen zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche ihre Arbeit aufgenommen. Verzögerungen gibt es in Niedersachsen und Bremen sowie in Sachsen. In den Kommissionen sitzen neben Betroffenen sowie Expertinnen und Experten auch Vertreter der Landeskirchen und Landesverbände der Diakonie. Die unabhängigen Experten sollen von den jeweiligen Landesregierungen benannt werden.
Die sächsische Landeskirche und die Diakonie Sachsen wollen die Kommission noch im April an den Start bringen. Dafür sind neben den Expertinnen und Experten auch noch die Betroffenenvertreter zu benennen. Deutschlandweit sollen künftig insgesamt neun regionale Aufarbeitungsgremien, die sogenannten „Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen (URAK)“, tätig sein.