Mit Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und Gebeten ist in Berlin und andernorts an den dritten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine erinnert worden. Als Zeichen der Verbundenheit mit dem kriegsgebeutelten Land erstrahlte das Brandenburger Tor in Berlin am Montagabend in den ukrainischen Nationalfarben Blau und Gelb.
An einer Solidaritätsdemonstration vom Berliner Lustgarten über die russische Botschaft zum Brandenburger Tor beteiligten sich nach Polizeiangaben am Abend rund 8.000 Menschen. Der Aufzug des deutsch-ukrainischen Vereins Vitsche stand unter dem Motto „Wählt die Ukraine“.
Unter den Rednerinnen und Redner waren Mitglieder der Bundesregierung wie Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) und bis auf die Linke Vertreter aller demokratischen Parteien im Bundestag. Sie beschworen die europäische Solidarität mit der Ukraine angesichts der amerikanisch-russischen Verhandlungen ohne Beteiligung des Landes.
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor die deutsche Unterstützung für die Ukraine bekräftigt. „Deutschland muss in den kommenden Wochen ein starker Partner für die Ukraine und eine starke Säule in Europa sein“, sagte Steinmeier bei einer Videoschalte mit Kiew. Europa müsse dafür sorgen, dass die Ukraine einen gerechten und dauerhaften Frieden erlange und nicht gezwungen werde, „einen faulen Deal zu akzeptieren“.
Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unterstrich die Solidarität mit dem Land. „Wir denken heute an die vielen mutigen Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit nunmehr drei Jahren für ihre Freiheit kämpfen“, sagte er. Und betonte: „Berlin als Stadt der Freiheit steht fest an ihrer Seite. Unser Engagement und unsere Solidarität sind ungebrochen.“
Zuvor hatten am Nachmittag evangelische Posaunenchöre vor der russischen Botschaft in der Straße Unter den Linden Friedenslieder gespielt. Am Abend luden die Kirchen zu einem interreligiösen Friedensgebet in die Marienkirche am Alexanderplatz ein.
Zudem führte ein von Kirchengemeinden organisierter „Trauerweg“ von der ukrainischen Botschaft zur russischen Botschaft. In der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche fanden eine Andacht und ein anschließendes Gedenkkonzert mit dem ukrainischen Exilorchester „Mriya“ statt.
Auch in Potsdam wurde in der Garnisonkirchenkapelle an den Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar 2022 erinnert. Dabei warnte der Berliner Bischof Christian Stäblein vor einem Verrat der Ukraine und einer Täter-Opfer-Umkehr. Im Benennen von Verantwortung und Aggressor werde nicht geschwiegen, versicherte er: „Es gibt keine Hierarchie im Leiden, aber es gibt unterschiedliche Verantwortung und der Verrat, den die Ukraine derzeit erlebt, der darf nicht unser Verrat werden.“ Nicht nur der Aggressor werde nicht mehr beim Namen genannt, sondern die vielen, unerträglichen russischen Kriegsverbrechen wie in Butscha würden verdrängt und vergessen.
Der Friedensbeauftragte der Berliner Landeskirche, Jan Kingreen, betonte, ein nachhaltiger Frieden sei nicht ohne Gerechtigkeit zu haben: „Und ein russisch-amerikanischer Diktatfrieden ohne ukrainische Beteiligung ist kein gerechter Frieden“.