Im 35. Jahr der deutschen Wiedervereinigung baut die Bundesstiftung Aufarbeitung ihre Angebote weiter aus. So startet am 1. März eine neue Online-Fotodatenbank mit aktuell etwa 65.000 frei zugänglichen Fotos aus der DDR und Deutschland, wie der Historiker Ulrich Mählert von der Bundesstiftung am Dienstag in Berlin ankündigte.
Ab dem 8. März, dem Internationalen Frauentag, steht eine neue Poster-Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ zur Verfügung. Zudem erscheint bereits am Mittwoch in der Erklärfilmreihe „Backstage DDR“ eine neue Folge „Wohnen in der DDR“.
Anlass ist der 50. Jahrestag des Beginns der Erschließungsarbeiten in der späteren Ost-Berliner Großsiedlung Marzahn im Jahr 1975. Die neue Folge beleuchtet demnach die damalige staatlich gesteuerte Wohnraumvergabe und den Alltag in den neuen DDR-Plattenbaugebieten.
„Backstage DDR“ ist eine seit 2023 von der Bundesstiftung produzierte Videoreihe, die Hintergründe und Zusammenhänge der DDR-Geschichte und den DDR-Alltag beleuchtet. Bereits erschienen sind sieben Folgen, unter anderem über den Mauerbau und die Umweltzerstörung. In Planung sind laut Mählert unter anderem Stücke über „Medien in der DDR“, „Sport und Politik“ und „Antisemitismus in der DDR“. Die Filme eigneten sich besonders gut auch für den Geschichts- und Politikunterricht in Schulen, sagte Mählert.
In der von der Rostocker Kulturwissenschaftlerin Clara Marz kuratierten Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ werden auf 20 Plakaten die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen in der Bundesrepublik und der DDR der 1970er und 1980er Jahre dargestellt. Erstmals öffentlich präsentiert wird die Schau auf der am Donnerstag beginnenden Geschichtsmesse Suhl.
Seit über drei Jahrzehnten sei die deutsche Teilung Geschichte, sagte die Kuratorin am Dienstag in Berlin. Dennoch begegne man immer noch vielen Klischees, die Frauen aus Ost- und Westdeutschland zugeschrieben werden.
So werde die Westfrau häufig entweder als „Heimchen am Herd“ oder als knallharte Karrierefrau beschrieben. Die Ostfrau hingegen stehe im Kohlebergbau „ihren Mann“. Die Westfrau gendere, während die Ostfrau damit nichts anzufangen wisse. Die Schau untersuche, woher diese Zuschreibungen kommen und ob an ihnen etwas dran ist, sagte Marz.
Bestellt werden kann die Ausstellung für die politische Bildungsarbeit als Poster-Set bei der Bundesstiftung für eine Schutzgebühr von 40 Euro. Dazu gibt es einen zweisprachigen Begleitband in Deutsch und Englisch. Aktuell lägen bereits 540 Bestellungen aus Deutschland, Europa, Nord- und Südamerika und Australien vor, sagte Marz.
Die neue Fotodatenbank der Bundesstiftung richtet sich den Angaben zufolge besonders an nichtkommerzielle Nutzer. Für diese stünden die derzeit etwa 65.000 digitalisierten Fotos nach vorheriger Anmeldung kostenlos zur Verfügung, hieß es. Auch kommerzielle Nutzer könnten darauf zugreifen, müssten aber dafür zahlen. Insgesamt verfügt die Bundesstiftung demnach durch Ankäufe und Schenkungen über etwa eine Million Bildmotive. Davon sollen weitere rund 65.000 digitalisiert und in die Datenbank eingestellt werden.