In Berlin-Mitte ist am Donnerstag an den Protest nicht-jüdischer Frauen gegen die Deportation ihrer jüdischen Ehemänner im Februar 1943 im Rahmen der sogenannten NS-„Fabrik-Aktion“ erinnert worden. Nach einem stillen Gedenken am Mahnmal in der Großen Hamburger Straße führte ein Schweigemarsch in die Rosenstraße, wo sich vor 82 Jahren ein Sammellager von verhafteten jüdischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern befand.
Dort fand an der 1995 eingeweihten Skulptur „Block der Frauen“ der 2009 verstorbenen Bildhauerin Ingeborg Hunzinger eine Gedenkfeier unter anderem mit Vertreterinnen von Judentum, Kirchen und Islam statt. Unter den laut Polizei etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke).
Musikalisch umrahmt wurde das Gedenken vom Chor des Jüdischen Gymnasiums. Das jüdische Totengebet Kaddisch spricht Rabbinerin Gesa Ederberg von der Jüdischen Gemeinde Berlin.
Bis in die 1980er Jahre war der Protest in der Rosenstraße kaum bekannt. Am 27. Februar 1943 wurden im Rahmen der „Fabrik-Aktion“ der Nationalsozialisten Tausende jüdische Zwangsarbeiter verhaftet. Sie sollten in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert werden.
In Berlin waren darunter auch viele in sogenannter Mischehe lebende Juden. Sie wurden im ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße interniert. Die nicht-jüdischen Ehefrauen protestierten tagelang vor dem Gebäude gegen die Verhaftung ihrer Männer. Diese entgingen dadurch zunächst der Deportation. Der Protest der Frauen gilt als einer der wenigen öffentlichen Proteste gegen das NS-Regime.