Ezra: Rechtsextremistische Angriffe auf Höchststand
Erfurt (epd).

Die Opferschutzorganisation Ezra hat im vergangenen Jahr thüringenweit 108 Angriffe mit ausdrücklich rassistischer Motivation gezählt. In 47 weiteren Fällen seien Übergriffe auf politische Verantwortungsträger und Gegner registriert worden, heißt es in dem am Donnerstag in Erfurt veröffentlichten Jahresbericht der Beratungsstelle. Insgesamt seien 206 rechtsextremistische Straftaten gezählt worden.

In mehr als der Hälfte der Fälle handelte es sich laut Ezra bei den registrierten Straftaten um Körperverletzungen (117). In 81 Fällen wurden Opfer bedroht oder genötigt. Ezra geht dabei insgesamt von einer hohen Dunkelziffer an rechtsextremistischen Übergriffen aus.

Laut Projektleiter Franz Zobel stellt die Zahl der registrierten Straftaten einen Höchststand seit der Einführung der Statistik im Jahr 2011 dar. Das mache den raschen Aufbau einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Hassdelikte notwendig. Auch sollte das Amt eines Opferschutzbeauftragten auf Landesebene geschaffen werden.

Zudem forderte Zobel, die Zahl der aktuell acht Mitarbeitenden zu erhöhen. Die Beratungsstelle arbeite bereits jenseits ihrer Kapazitätsgrenzen. Der Personalzuwachs solle die Beratungen abseits der großen Städte ermöglichen. 2024 konnten 209 Personen in 830 Fällen unterstützt werden. Die Hilfen umfassten neben den Beratungen auch psychosoziale Hilfen und die Begleitung in Gerichtsprozessen.

Ezra ist die mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen. Seit 2012 befindet sie sich in Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.