
Der Philologenverband hat Vorschläge zur Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts in Niedersachsen scharf kritisiert. „Den für unsere Gesellschaft traditionellen und identitätsstiftenden konfessionellen Religionsunterricht abzuschaffen, entbehrt jeder Grundlage, besonders im Hinblick auf das Fach Werte und Normen, das eine gleichwertige Alternative für konfessionslose Schülerinnen und Schüler darstellt“, erklärte der Verband am Dienstag in Hannover. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte am Montag gefordert, den konfessionellen Religionsunterricht an den Schulen durch einen für alle Schülerinnen und Schüler geltenden Ethik-Unterricht zu ersetzen.
Ethische Fragestellungen würden in beiden Fächern abgebildet und bedürften keines eigenen und weiteren Fachs, hieß es vom Philologenverband, der rund 8.000 Lehrkräfte an Gymnasien vertritt. „Die Ankündigung der beiden christlichen Kirchen, einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht zu etablieren, begrüßen wir ausdrücklich.“
Auch die evangelischen Kirchen in Niedersachsen lehnten die Vorschläge der GEW ab. Der christliche Religionsunterricht sei ein Ausdruck der positiven Religionsfreiheit, das Fach Werte und Normen der negativen. „Beide Fächer haben ihr je eigenes Recht“, sagte Kirchensprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. Religion gehöre zur Schule dazu, gerade weil Schüler und Lehrer ihre religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen mitbrächten. Es sei eine staatliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Recht auf religiöse Erziehung umgesetzt werde, ebenso wie das Recht auf eine nicht-religiöse Erziehung.
Gerade in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Gräben tiefer und die Heterogenität an Schulen größer werde, bleibe der Religionsunterricht unverzichtbar, betonte Simon-Hinkelmann. „Er steht für Dialog und Pluralismus, er wehrt Fundamentalismen ebenso wie dem Antisemitismus oder Rassismus, fördert die Demokratie und eine ethische Überzeugung.“ Außerdem sei die Akzeptanz des Religionsunterrichts auch unter Schülerinnen und Schülern sowie Eltern groß. Der Unterricht werde auch von Schülern besucht, die keine Kirchenmitglieder seien.
Die GEW hatte das gemeinsame Schulfach Ethik anlässlich der geplanten Novellierung des Schulgesetzes gefordert. Medienberichten zufolge soll dabei Religionskunde nicht abgeschafft werden, sondern alle Schüler sollten sich gemeinsam mit den großen Weltreligionen befassen. Den Unterricht könnten bisherige Pädagogen für die Fächer Religion oder Werte und Normen übernehmen.
Das Land Niedersachsen will auf Vorschlag der evangelischen und katholischen Kirchen im Land zum Schuljahr 2025/26 einen gemeinsamen ökumenischen Religionsunterricht einführen. Bisher wird der Religionsunterricht in der Regel nach Konfessionen getrennt erteilt. Dieser Unterricht soll durch das neue Fach „Christliche Religion“ schrittweise ersetzt werden.