Naturschützer kritisieren die Pläne der Thüringer Koalitionsfraktionen, die bislang strengstens geschützten Wölfe bundesweit in das Jagdrecht aufzunehmen. Der Antrag an den Thüringer Landtag sei eine „plumpe Panikmache“ erklärte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Thüringen (Nabu), Martin Schmidt, am Dienstag in Jena.
In dem Antrag von CDU, SPD und BSW wird die Bundesregierung aufgefordert, den Schutzstatus des Wolfs in Deutschland zu lockern. Zum Schutz der Bevölkerung und der Weidetiere soll deren Abschluss erleichtert werden. Zur Begründung heißt es, die Zahl der Wölfe steige in Deutschland jährlich bis zu 30 Prozent an. Es wachse die Sorge davor, dass einzelne Tiere oder Rudel ihre Scheu vor dem Menschen und ihren Siedlungen verlieren.
Der Nabu Thüringen kritisiert, dass die Bevölkerung durch parlamentarische Initiativen dieser Art verunsichert werde. Wölfe seien für angeblich massenhafte Schäden von Viehzüchtern nicht verantwortlich zu machen. So rissen die Raubtiere 2023 laut Nabu in Thüringen gerade einmal 47 Weidetiere. Allein bei der Schafhaltung im Freistaat seien in diesem Zeitraum 4.771 Tiere ohne besondere Vorfälle zu Tode gekommen.
Mit ihrem Antrag suggerieren die Koalitionsfraktionen aus Nabu-Sicht, dass die Sicherheit der Menschen durch den Wolf bedroht ist. Das sei ebenso wenig der Fall, wie durch den Abschuss von Wölfen die Lage der Nutztierhalter verbessert werden könne. Seit dem Jahr 2000 gebe es wieder Wölfe in Deutschland. Seitdem habe es keine Situation gegeben, bei der sich frei lebende Wölfe gegenüber Menschen aggressiv verhalten oder sie verletzt haben.