16.07.2018 - Fritz Wolf

Einige Szenen aus "Shoah" vergisst man so schnell nicht. Etwa die mit Abraham Bomba, dem Friseur von Treblinka. Er hat Frauen und Kindern vor dem Weg in die Gaskammer die Haare abgeschnitten. Claude Lanzmann setzt ihn für die Szene in einen Friseursalon, und Bomba fängt unter dem Druck der Erinnerungen an zu weinen. Lanzmann bricht nicht ab, bleibt unnachgiebig. Bomba muss seine Geschichte erzählen.

09.07.2018 - Sybille Simon-Zülch

Von "horizontalem Erzählen" war noch keine Rede, als am 14. November 1989 im Ersten Programm die erste Folge der Serie "Löwengrube" gesendet wurde. Auch 1997, als die ARD die Serie wiederholte, waren amerikanische Erfolgsserien noch nicht zum Vorbild geworden. Und der Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" lag in weiter Ferne.

02.07.2018 - Tilmann Gangloff

Man muss nicht in den 50er Jahren jung gewesen sein, um die musikalische Hörfunködnis jener Zeit nachvollziehen zu können. Bis in die 70er gab es in den Angeboten der ARD-Radiosender nur wenige Programminseln für Jugendliche, als Hörer mit Vorliebe für Beat- und Rockmusik lebte man in einer musikalischen Diaspora. Kein Wunder, dass junge Leute AFN und BFBS in den 50ern als musikalische Oasen empfunden haben müssen: Die Soldatensender spielten ständig die neuesten Hits, zumindest in der Erinnerung der Zeitzeugen.

25.06.2018 - Diemut Roether

Zu den medienhistorischen Anekdoten, die zeigen, wie aufgeheizt das gesellschaftliche Klima in den Jahren um 1968 war, gehört die Rezeptionsgeschichte des Hörspiels "Die Falle" von Peter O. Chotjewitz, das der Süddeutsche Rundfunk (SDR) am 29. Januar 1969 sendete. In "Die Falle - oder: die Studenten sind nicht an allem schuld" hatte Chotjewitz dokumentarisches Material des Jahres 1968 bearbeitet und collagiert.

18.06.2018 - Torsten Körner

Die totale Verwandlung der Wirklichkeit in einen Film, die vollständige Derealisierung der Realität, die restlose Infantilisierung der Politik durch Donald Trump ist gelungen. Im Anschluss an sein Treffen mit dem Diktator Kim Jong Un ließ der amerikanische Präsident der Presse einen Videofilm vorführen, der im Stile eines Hollywood-Trailers den Gipfel und seine potenziellen Folgen bewarb.

11.06.2018 - Hans-Günter Kellner

Dem öffentlichen spanischen Fernsehen Televisión Española ist etwas passiert, das keinem Sender passieren darf. Es ist irrelevant geworden. Selbst das wöchentliche "Informe Semanal", einst das Flaggschiff der Hintergrundberichterstattung, lohnt das Ansehen nicht mehr. Das hat nichts mit Nachrichtenmüdigkeit zu tun, sondern mit der Entwicklung bei TVE. In den Sendungen erfahren die Zuschauer weder neue Nachrichten, noch wird Bekanntes mit spannenden Aspekten neu aufgearbeitet.

04.06.2018 - Diemut Roether

Die sogenannte Innere Pressefreiheit war in den 70er und 80er Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Es ging damals um die Unabhängigkeit der Journalisten von den Weisungen des Verlegers, der das Recht hat, die politische Meinung seiner Zeitung festzulegen. Die Pressefreiheit sollte mehr sein als "die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten", wie es einer der Gründungsherausgeber der FAZ, Paul Sethe, einmal beschrieb. In einigen Zeitungen wurden damals Redaktionsstatute erkämpft, die den Redaktionen mal mehr, mal weniger Rechte gegenüber den Verlegern einräumten.

28.05.2018 - Michael Ridder

DSGVO. Keiner kommt in diesen Tagen an diesem Kürzel vorbei. Die 2016 beschlossene Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union, die von diesem Freitag an in der gesamten EU unmittelbar gilt, betrifft irgendwie jeden - sei es, weil man täglich Mails von Handelsunternehmen bekommt, die flehentlich um Zustimmung für den weiteren Versand von Newslettern bitten. Oder weil man als Betreiber einer kleinen Vereinshomepage mit großen Zeitaufwand kritische Elemente wie Kommentarfunktion, Share-Buttons und Spam-Filter manuell umprogrammieren oder ganz deaktivieren muss.

21.05.2018 - Christiane Link

Wenn ein kleines Land den Eurovision Song Contest (ESC) ausrichten darf, ist das oft Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil auf das Land hohe Kosten zukommen. Segen, weil sich das Land ganz Europa (und Australien) von seiner besten Seite zeigen kann. Portugal ist seit der Finanzkrise sparen gewöhnt und verordnete sich auch als Gastgeber für den ESC einen Sparkurs. Seit zehn Jahren wurde nach Auskunft der Verantwortlichen kein ESC mehr so preiswert ausgerichtet wie dieses Jahr.

14.05.2018 - Michael Ridder

Brasilien in naher Zukunft: Die Bevölkerung ist in eine große und eine kleine Gruppe geteilt. Der Großteil lebt verelendet in einer postapokalyptischen Ruinenlandschaft, wo es an Nahrung und Medikamenten fehlt. Eine kleine Gruppe macht es sich hingegen auf einer "Offshore" genannten Insel gemütlich, die einige hundert Kilometer entfernt liegt. Dort gibt es High-Tech und Luxus im Überfluss. Einmal im Jahr findet ein "Verfahren" statt, an dem junge Menschen aus dem Inland teilnehmen können, die 20 Jahre alt geworden sind.