Der Bundestagsbeschluss über den zusätzlichen Einsatz einer 240 Mann starken Kampftruppe in Afghanistan ist von Vertretern der Friedensbewegung heftig kritisiert worden. "Dies ist ein weiterer großer Schritt zur Eskalation des Krieges", sagte Otmar Steinbicker von der Initiative Aachener Friedenspreis vor Journalisten am Freitag in Aachen. Zum Auftakt einer zweitägigen Strategiekonferenz zu Afghanistan betonte der Sprecher des Bündnisses "Kooperation für den Frieden" die Ablehnung der deutschen Kampftruppe. "Wir als deutsche Friedensbewegung sagen dazu Nein, ohne Wenn und Aber."
Christoph Hörstel, Politikberater und Autor des Buches "Sprengsatz Afghanistan", rechnet damit, dass bis September "30 bis 50 deutsche Soldaten den Tod finden werden". Hörstel entwickelte nach eigenen Angaben einen Friedensplan. Dieser sei von Regierungsvertretern und Oppositionsgruppen in Afghanistan sowie von Teilen der deutschen Grünen und SPD begrüßt worden. Bei einer schrittweisen Befriedung und Demokratisierung des Landes müssten die einzelnen Provinzen weitgehend autonom bleiben, forderte er. Auch gegenüber den Taliban müssten Zugeständnisse gemacht werden.
Auch Susanne Grabenhorst, Sprecherin der aus 43 Friedensorganisationen zusammen gesetzten "Kooperation für den Frieden", forderte den Westen auf, in einen Dialog mit allen Konfliktparteien einzutreten. Otmar Steinbicker warnte die Friedensbewegung jedoch davor, "sich die falschen Freunde zu suchen. Wir sind gut beraten, vorsichtig zu sein."
Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr und Sprecher des Arbeitskreises "Darmstädter Signal", vertrat die Position, dass der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zum Scheitern verurteilt sei. "Man ist angetreten, um Entwicklungshilfe zu leisten und für Stabilität zu sorgen, doch das Gegenteil wurde erreicht." Seit 2002 nehme die Gewalt ständig zu. "Dieser Krieg ist verloren." (d10320/18.1.2008)