In der evangelischen Kirche haben Theologen eine neue Debatte über den Opfertod Christi am Kreuz in Gang gesetzt. Die Lehre, Jesus habe mit seinem Tod stellvertretend die Sünden der Welt auf sich genommen, passe überhaupt nicht zur Verkündigung Jesu, sagte der evangelische Theologieprofessor Klaus-Peter Jörns dem epd: "Denn Jesus verkündigt die Liebe Gottes als etwas Unbedingtes". Sie sei an keinerlei Vorleistung wie ein Opfer gebunden, sondern "kommt ganz aus Gott selbst". Zu sühnen brauche niemand etwas, der an Gottes Liebe glaubt und um Vergebung bittet. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), warnt dagegen vor einer Verwässerung zentraler Inhalte der christlichen Botschaft.Mit Blick auf die traditionellen Bekenntnisschriften wandte Steeb sich gegen Hochmut gegenüber dem, "was früher formuliert worden ist." Jesus Christus sei für unsere Sünden am Kreuz von Golgotha gestorben. "Das ist der Kern des Evangeliums. Wenn jeder seine eigene Sünde und Schuld tragen müsste und es keine Stellvertretung gäbe, dann wären wir hoffnungslos verloren", sagte er dem epd. "Die Sündhaftigkeit des Menschen ist so stark und so klar, dass wir den Opfertod von Jesus brauchen, um versöhnt zu sein mit Gott und den Menschen." Das sei das Evangelium, "die Frohe Botschaft, dass ich eben nicht selbst meine Sünde und Schuld tragen muss, sondern das dies ein anderer für mich trägt."
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, glaubt nach eigener Aussage dagegen nicht, dass Jesus am Kreuz stellvertretend die Strafe der Menschen auf sich genommen hat. Gott brauche kein Sühneopfer, "denn es muss ja nicht sein Zorn durch unschuldiges Leiden besänftigt werden". Die Menschen bräuchten die Botschaft vom Kreuz vielmehr "als Zeichen für Gottes Liebe und Solidarität, als Symbol für das Mitgehen Gottes mit uns durch den Tod hindurch", sagt er dem evangelischen Magazin "Chrismon".