»Und Kirche? Die Existenz rechtsextremen Gedankengutes bei Kirchenmitgliedern wird in repräsentativen Studien belegt. In der deutschlandweiten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2006 ist die Zustimmung zu den Fragen, an Hand derer rechtsextreme Einstellungen bewertet werden, bei Evangelischen zwar in der Tendenz niedriger als im Durchschnitt, aber die Zustimmungsquote ist immer noch sig-nifikant. (...) Allerdings ist eines klar: Kirchenmitglieder in Deutschland unterscheiden sich hinsichtlich rechtsextremer Einstellungen nicht wesentlich vom Bevölkerungsdurchschnitt. Das ist die eigentlich schlechte Botschaft! Obwohl sowohl von der Bot-schaft des Evangeliums als auch von den öffentlich vertretenen Positionen der Kirchen sowie von der kirchlichen Verkündigung eine andere Einstellung als im Bevölkerungsdurchschnitt, also eine weniger rechtsextreme, zu erwarten wäre, ist dies empirisch nicht der Fall.
Kirchenmitglieder haben ungefähr genauso häufig und genau so intensiv rechtsextreme Einstellungen. Nach den Erhebungen des Thüringen-Monitors betrifft dies ca. 20 Prozent der Bevölkerung. D.h. ungefähr, jedes fünfte Kirchenmitglied hat rechtsextreme Einstellungen. Unserer Wahrnehmung nach sind viele Kircheninsider von diesem Ergebnis eher ungläubig überrascht. In der Kerngemeinde wird ein Pfarrer oder eine Pfarre-rin oft eher nur vereinzelt direkt mit rechtsextremen Gedankengut konfrontiert und wenn, dann vermutlich am ehesten von älte-ren Menschen. (…) Rechtsradikalismus wird aus kirchlicher Sicht eher als externes Problem wahrgenommen, also als Problem, das in erster Linie die anderen haben, also die, die sich nicht zur Kirche halten. Gemessen an den Ergebnissen der erwähnten repräsentativen Studien, welche gerade Kirchenmitgliedern durchschnittliche oder sogar überproportionale rechtsextreme Einstellungen bescheinigen – eine Schwäche im Bereich der innerkirchlichen Wahrnehmung? «
(Petra Albert und Michael Haspel )
Zur Tagung »Rechtsextremismus in der Gesellschaft. Und Kirche? Zum gesellschaftlichen und kirchlichen Umgang mit Rechtsextremismus«
Petra Albert und Dr. Michael Haspel:
»Einleitung«
Beiträge zur Tagung
Rainer Borsdorf:
»’... das seh’n ganz viele nicht’: Rechtsextremismus im Alltag«
Christian Rühl:
»Aktuelle Entwicklungen in der rechtsextremen Szene«
Dr. Stefan von Huene:
»Odin statt Jesus? Zur Bedeutung von Religion für die rechtsextremistische Ideologie«
Dorothea Söllig:
»Was können Kirchengemeinden gegen Rechtsextremismus tun?«
Katrin Göring-Eckhartd:
»Zum gesellschaftlichen und kirchlichen Umgang mit Rechtsextremismus«
Michael Panse:
»Handlungsmöglichkeiten gegen Rechtextremismus: Herausforderung für Staat und Gesellschaft«
Christhard Wagner:
Kampagne der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland im Jahr 2008 geplant
Petra Pawelskus:
»Die Rolle der Zivilgesellschaft«
Christhard Wagner:
»Am Ende siegt die Liebe / Predigt«
Peter Zimmermann:
»Welche Verantwortung haben Theologie und Kirche gegenüber rechtsextremen Einstellungen? Worin besteht unsere eigene Anfälligkeit«
Aus der epd-Berichterstattung zum Thema Kirche und Rechtsextremismus
Jantzen: Rechtsextreme machen Kirchen als Gegner aus
Landeskirche will dem Rechtsextremismus entgegentreten
Bischöfe verurteilen rechtsextreme Ausschreitungen
Rechtsextremismus: Ausbau der Jugendarbeit gefordert
Bischof Friedrich: Mit Zivilcourage Rechtsradikalismus überwinden
Halberstadt: Urheber von rechter Internetseite von Kirche angezeigt
Sächsische Bischöfe: Rechtsextremismus unvereinbar mit Glauben
Sächsische Landeskirche: Keine Konfirmation für Extremisten
Landessuperintendent: NPD-Aktionen nicht unterschätzen
Kirchliche Strategien gegen den Rechtsextremismus - Bayerische und Mecklenburgische Landeskirche tagten in Bad Alexandersbad